Q-Faktor - kurz erklärt

Q-Faktor?

Gelesen oder gehört hat den Begriff "Q-Faktor" wahrscheinlich schon jede/r, der/die sich ein wenig für Fahrräder interessiert. Aber was ist damit gemeint?
Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff den Abstand zwischen den Außenseiten der linken und rechten Tretkurbel.

 

Gut zu wissen, aber wozu eigentlich?

Für alle Leistungsorientierten unter euch, es soll laut Untersuchungen die Fahrleistung beeinflussen: schmaler = besserer Watt-Output. Für alle Interessierten, Jan Heine hat sich diesem Aspekt recht ausführlich gewidmet.
Also einfach Kurbel mit geringerem Q-Faktor montieren und Tritteffizienz erhöhen? Eher nicht.

Es passt nicht jede Kurbel zu jedem Rahmen. Rennräder und Bahnräder haben schmale Reifen und somit einen "schmaleren" Rahmen - damit ist hier die Hinterbaubreite gemeint, also der Abstand der Ausfallenden beim Hinterreifen.
An Mountainbikes werden breitere Reifen gefahren, diese brauchen mehr Platz im Rahmen. Konstruktionsbedingt wird dadurch der Hinterbau breiter, aber auch der Bereich beim Tretlager muss breiter werden. Die Ketten- und Sitzstreben wandern ebenfalls nach außen. Folglich muss auch die Tretkurbel "breiter" werden, damit die Kurbelarme nicht am Rahmen anschlagen. Somit gilt: Rennräder haben einen geringeren Q-Faktor, Mountainbikes/Trekkingräder/Gravelbikes einen größeren.
E-Bikes benötigen aufgrund des Motors meist auch einen größeren Q-Faktor. Lösung mancher Hersteller: asymmetrischer Einbau der Motoren und Kurbeln mit unterschiedlicher Kröpfung. 

Um das Ganze ein wenig komplizierter zu machen: Auch Pedale haben einen Q-Faktor. Dieser kann in den Spezifikationen des jeweiligen Herstellers nachgelesen werden.
Vor allem der Q-Faktor der Pedale kann für bestimmte Personen interessant sein. Dieser hat maßgeblichen Einfluss auf die mögliche Fußstellung. Menschen mit V-förmiger Fußstellung oder sehr großen Füßen können von Pedalen mit längerer Achse (größerem Q-Faktor) profitieren. Diese ermöglichen eine natürlichere Fußstellung beziehungsweise verhindern, dass die Knöchel oder Fersen an Kurbel oder Rahmen schleifen. So manche Knieschmerzen konnten so schon "behandelt" werden. Bei Problemen im Kniebereich beziehungsweise anderen gesundheitlichen Beschwerden sind ein Arztbesuch und Bike-Fitting empfohlen!
Crankbrothers bieten zum Beispiel Sets zum Umbau auf eine längere Pedalachse an. Auch SQlab hat Pedale mit unterschiedlichen Achslängen im Programm.
Kleine Anmerkung: Ich bin sehr empfindlich, was die Fersenfreiheit (heel clearance) betrifft. Monk-Alarm! Für alle Nicht-Monks: Das ist der Abstand zwischen Ferse und Kettenstrebe beim Treten. Ist dieser sehr gering, können die Fersen am Rahmen schleifen. Darum achte ich besonders auf Rahmenkonstruktion und Q-Faktor der Kurbel und Pedale.

Oh, der Q-Faktor der Kurbel hängt oft auch mit der Kettenlinie zusammen.
Warum und was das nun wieder ist, könnt ihr hier Kettenlinie - ganz schön schräg nachlesen.

 

 

Einfluss-"Faktoren":

  • Rahmen- beziehungsweise Hinterbaubreite (indirekter Einfluss)
  • Reifenbreite (indirekter Einfluss)
  • Kurbel
  • Pedalachse beziehungsweise Pedale

 

Ergonomie und Wirkung:

  • Q-Faktor um die 150 mm: angeblich für bessere Leistung. Wobei ein solcher Wert bei einem Mountainbike wohl nicht realisierbar ist
  • Größerer Q-Faktor: sicherer Stand im Gelände
  • Mehr Abstand von Pedal zu Kurbel und/oder Kettenstreben: auch nicht-parallele Fußstellungen möglich
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Info

Der Lenker kann übrigens bei uns getestet werden.