Kettenlinie - ganz schön schräg

Kettenlinie - ganz schön schräg

Singlespeed- und Fixie-Fahrern dürfte das Wort Kettenlinie bekannt sein, "Mehrgang"-Fahrern vielleicht nicht.
Wer schon einmal ein Fahrrad selbst aufgebaut hat, könnte ebenfalls über das Thema gestolpert sein.

 

Kurze Erklärung: Bei der idealen Kettenlinie verläuft die Kette vom Ritzel am Hinterrad zum Kettenblatt an der Tretkurbel in einer Linie, ohne Schrägung.
Gemessen wird das meist über den Abstand von der Achs- beziehungsweise Nabenmitte bis zur Kettenblatt- beziehungsweise Ritzelmitte.
Kann man messen oder einfach die diversen Herstellerangaben beachten.
Bei Singlespeed- und Fixed-Gear-Bikes sollte die Kette möglichst gerade verlaufen, da hier meistens entsprechende "Singlespeed-Ketten" verwendet werden. Diese sind breiter und weniger flexibel, weshalb "Schräglauf" zu verstärkter Abnutzung an Zähnen und Kette führt.
Erst mit dem Aufkommen der 1-fach Schaltgruppen, also z.B. 1x11, wurden entsprechend flexible Ketten mitentwickelt, um den nötigen Schräglauf der Kette zu ermöglichen. Bei "älteren" Schaltungen mit 2 oder 3 Kettenblättern war ein extremer Schräglauf der Kette, aus den selben Gründen wie bei Singlespeed-Ketten, noch verpönt. Bei 1x12 Schaltungen kann eine "gute" Kettenlinie aber auch schon recht schräg sein. Das liegt daran, dass die Ketten immer dünner und flexibler werden, je mehr Ritzel auf die Kassette passen müssen. Die Ritzel werden natürlich auch entsprechend dünner. Es müssen eben mehr Ritzel auf den Freilauf passen, die Abstände dementsprechend geringer und die Kette dünner werden, um da noch Platz zu finden. Die Zunahme an Flexibilität verhindert auch eine zu starke Abnützung der Zähne bzw. Kette bei größerem Schräglauf. Ein extremer Schräglauf ist für "Old School"-Fahrer wie mich immer noch gewöhnungsbedürftig, zumal auch das etwas nervige "Kettengeräusch" zunehmen kann.

 

Welche Kettenlinie, wann empfohlen ist, hängt von der Schaltung, dem Hersteller und dem Fahrrad ab. Wer darauf achtet, wird feststellen, dass die Kettenlinie immer weiter zugenommen hat - sprich, die Kette immer weiter nach außen gewandert ist. Das hat zum einen mit der Zunahme der Reifenbreite zu tun. Breitere Reifen brauchen mehr Platz im Rahmen, die Kettenstreben müssen weiter nach außen. Damit das Kettenblatt nicht an den Streben schleift, muss auch dieses nach außen wandern - die Kettenlinie nimmt zu.
Zum anderen erfordern Kassetten mit mehr Ritzeln eine größere Kettenlinie, damit die Kette in den kleineren Ritzeln nicht beim Nachbar-Ritzel verkantet.
Wer noch mit "Umwerfer" fährt, also vorne 2 oder 3 Kettenblätter verwendet, kann hier durch den Wechsel auf ein anderes Kettenblatt, ein Verkanten vermeiden.
Zusätzlich sei erwähnt, dass die Kassettenmitte, wider Erwarten, nicht der empfohlen Kettenlinie entspricht. Das liegt daran, dass das Problem "Verkanten der Kette am Nachbar-Ritzel" nur in den größeren Gängen (= kleinere Ritzel) auftritt; die Kettenlinie verläuft etwas weiter außen.

 

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer vorhat, Kurbel, Tretlager oder Kassette zu tauschen, sollte dabei auch die Kettenlinie beachten. Weiters nimmt mit der Kettenlinie oftmals auch der Q-Faktor zu.

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